Der Duft über einer warmen Tasse kann sich von dem unterscheiden, was nach dem letzten Schluck zurückbleibt. Beginnen Sie mit einem vertrauten Tee und beobachten Sie einige Phasen des Aufgusses. Dafür brauchen Sie weder Fachbegriffe noch eine lange Verkostung.
Teeblätter, Aufguss und leere Tasse wahrnehmen

Riechen Sie an den trockenen Blättern und anschließend am Duft über dem aufgegossenen Tee. Wenn Sie eine leere Kanne vorwärmen, gießen Sie das Wasser ab, bevor Sie die Blätter hineingeben und ihren Duft wahrnehmen. Dafür müssen die Teeblätter nicht gespült werden. Sobald sich der Tee angenehm trinken lässt, achten Sie beim Ausatmen auf das Aroma. Zum Schluss können Sie noch einmal an der geleerten Tasse riechen. Halten Sie Abstand zu heißem Dampf und lassen Sie einen heißen Deckel an seinem Platz, statt ihn zum Riechen anzuheben.
Notieren Sie zu jeder Phase zwei oder drei Wörter. Verwenden Sie für einen Vergleich an einem anderen Tag zunächst denselben Tee, dasselbe Wasser, Gefäß und Rezept, bevor Sie einen Faktor verändern.
Wie sich der Duft beim Abkühlen verändert
Beim Abkühlen können sich sowohl die freigesetzten Aromen als auch Ihre Wahrnehmung verändern. Es gibt keine feste Reihenfolge, in der blumige, geröstete oder holzige Noten auftreten müssen. Nehmen Sie wahr, was da ist, ohne in jeder Phase etwas Neues zu erwarten.
Der Duft in einer abgekühlten leeren Tasse kann interessant sein, ist aber kein Qualitätsmaßstab. Tee, Aufgussstärke, Sauberkeit der Tasse und Zeit beeinflussen ihn. Ein schwacher Duft bedeutet keinen schlechten Tee, und ein anhaltender süßer Duft belegt keine hohe Qualität.
Wörter für Aromen finden
Nutzen Sie vertraute Vergleiche: Blumen, Zitrusschale, Apfel, Honig, gedämpftes Blattgemüse, Algen, gerösteter Reis, Brot oder Holz. Allgemeine Wörter wie „geröstet“ oder „grün“ genügen, wenn Ihnen kein genauerer Vergleich einfällt.
Sie können auch notieren, ob ein Duft sofort auftritt oder lange anhält. Ein kurzer, einfacher Duft kann angenehm sein. Die Übung verlangt nicht, in jedem Tee Komplexität zu finden.
Was Duft verraten kann und wo seine Grenzen liegen
Hōjicha eignet sich, um Röstnoten wahrzunehmen. Grüne oder grasige Eindrücke können bei Grüntee normal sein und belegen keine unzureichende Verarbeitung. Aus dem Aroma allein lassen sich Herstellung und Lagerung nicht rekonstruieren. Trinken Sie keinen Tee, der schimmelig aussieht oder unerwartet muffig riecht, und fragen Sie beim Anbieter nach. Probieren Sie ihn nicht, um seine Sicherheit zu testen.
Vergleichen Sie Ihre Eindrücke mit der Beschreibung und den Zubereitungshinweisen des Herstellers. Beides hilft, den Charakter eines Tees kennenzulernen, ohne jeden Duft als Beleg für ein Herstellungsverfahren zu deuten.
Wie Gefäß und Zubereitung den Duft beeinflussen
Ein sauberes Gefäß und eine wiederholbare Zubereitung erleichtern Vergleiche.
Wählen Sie eine saubere, geruchsfreie Tasse, die sich angenehm halten lässt. Eine Kyusu trennt die Blätter vom Aufguss; weißes Porzellan macht dessen Farbe leichter sichtbar. Unser Porzellan-Yunomi und die Becher dieses Arita-Hasami-Teesets bieten unterschiedliche Formen. Verwenden Sie bei wiederholten Verkostungen dieselbe Tasse, damit Unterschiede in Form und Temperatur den Vergleich nicht erschweren.

Sencha und Gyokuro können grüne oder maritime Noten zeigen; Hōjicha hat oft Röstaromen. Umami ist eine Geschmacksqualität und vom Geruch zu unterscheiden. Matcha hat einen eigenen grünen Duft und wird in einer geeigneten Schale aufgeschlagen. Der Sencha-Ratgeber für den Einstieg behandelt die Ausstattung; Tee- und Glasurfarben betrachtet die visuelle Rolle der Tasse.
Dem Räucherwerk „lauschen“
Monkō, oft als „dem Räucherwerk lauschen“ übersetzt, bezeichnet die bewusste Wahrnehmung von Düften im Kōdō (香道), dem japanischen Weg des Räucherwerks. Darin liegt eine Parallele zur aufmerksamen Teeverkostung, ohne dass beide Praktiken gleichzusetzen wären.
Das Metropolitan Museum of Art beschreibt die Entwicklung der Räucheretikette parallel zur Teezeremonie während der Muromachi-Zeit (1392–1573). Seine Darstellung umfasst das Weiterreichen eines kleinen Räuchergefäßes unter den Gästen: Duftholz wird auf einer Glimmerplatte über Holzkohle und Asche schonend erwärmt. Das unterscheidet sich vom Anzünden eines Räucherstäbchens. Unsere Kollektion Räucherzubehör und Kōdō enthält entsprechende Geräte. Die Teeschale aus der Song-Dynastie im Met ist ein eigenständiges Beispiel für Gegenstände aus der Geschichte des Tees.
Für Ihre eigene Tasse genügt eine Notiz wie „warm stärker geröstet“ oder „hinterher kaum Duft“. Halten Sie Ihren Eindruck fest und genießen Sie dann den Tee.
Weiterführende Quellen: Ippodos Einführung in die Teesorten beschreibt die Tees des Unternehmens; die oben verlinkte Räucherwerkgeschichte des Met erläutert den Hintergrund des Kōdō.


